Erfahrungsbericht der WorldMUN 2012

Die WorldMUN 2012 in Vancouver ist Geschichte und damit fünf spannende Konferenztage, die die intensivste Zeit der 10-tägigen Studienreise der Delegation nach Kanada waren. Die […]

Die WorldMUN 2012 in Vancouver ist Geschichte und damit fünf spannende Konferenztage, die die intensivste Zeit der 10-tägigen Studienreise der Delegation nach Kanada waren. Die sieben Delegierten setzten all ihr diplomatisches Können in den Komitees ein, um die Position des Südsudan so gut wie möglich in die Schlussdokumente einzubringen. Nach einer beeindruckenden Eröffnungsfeier am Sonntagabend und dem ersten Kennenlernen von Studenten aus der ganzen Welt begann die Arbeit in den vier Komitees am Montagmorgen.

Der Special Summit on Water (SSW), in dem Jörg und Christian Angola und den Südsudan vertraten, war ein erstmalig bei der WorldMUN-Konferenz simulierter „sub-body“ der Generalversammlung, der sich mit dem Thema „Global Sustainable Water Management“ beschäftigte. Schnell fanden sich Mehrheiten, die denen in der realen international Diplomatie durchaus ähnlich waren: die Afrikanische Union verbündete sich mit anderen Entwicklungsländern und G77-Staaten, während die westlichen Industriestaaten einen gesonderten Resolutionsentwurf erarbeiteten. Nach intensiv geführten Verhandlungen wurde offensichtlich, dass sich die von weiten Teilen des Komitees getragenen Entwürfe schwerer zusammenfügen ließen als gedacht. Somit wurde die Arbeit immer differenzierter und immer mehr Gruppen versteiften sich darauf, spezielle Themen eines möglichen Resolutionsentwurfs abzudecken; was letztlich darin mündete, dass am letzten Konferenztag mehr als 12 „draft resolutions“ erarbeitet waren, von denen es nur zwei in den Abstimmungsprozess schafften. Als Vertreter des Südsudans und der Republik Angola hielten sich Christian und Jörg während der Konferenz eng an ihre Nachbarstaaten und die Afrikanische Union, die bei den Abstimmungen über eine solide Mehrheit verfügte. Glücklicherweise konnte sich das Komitee kurz vor Konferenzende auf eine Resolution verständigen.

Im Social, Humanitarian and Cultural Committee (SOCHUM) vertraten Alisa Weinhold und Franziska Sandt die Interessen des Südsudan zum Thema „Primary Education Development“. In der Zusammenarbeit mit vorrangig anderen afrikanischen Staaten sowie China, Russland und den Niederlanden wurde vor allem über Grundschulbildung in fragilen und konfliktbehafteten Staaten diskutiert. Das kam dem Südsudan sehr entgegen und so konnten sich Alisa und Franziska aktiv einbringen und an einem Resolutionsentwurf mitschreiben, der am letzten Tag als Resolution vom Komitee verabschiedet wurde.

Janine Dersin vertrat den Südsudan in der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die das Thema „contraception in developing countries“ behandelte. Verbesserte Bildungsmöglichkeiten für Männer, Frauen und Kinder, capacity building und der Ausbau von Infrastruktur sowie die Finanzierung dieser Maßnahmen, um ungewollte Schwangerschaften und eine Ausbreitung von Krankheiten wie HIV/Aids besonders in Entwicklungsländern zu vermeiden, standen im Fokus der Debatten. Nach vier äußerst spannenden und produktiven Tagen verabschiedete die WHO eine umfangreiche Resolution, die eine deutliche Zustimmung unter den verschiedenen Ländern fand. Besonders erfreulich ist aus Janines Sicht dabei für den Südsudan, dass sie gemeinsam mit weiteren afrikanischen Ländern einen eigenen Punkt zur Problematik von Empfängnisverhütung in Konfliktgebieten eingebracht hat, der von der WHO sehr positiv beurteilt und in die finale Resolution aufgenommen wurde.

Im Special, Political, and Decolonization Committee (SPECPOL) wurde die Palästina-Frage diskutiert. Da dieses Thema spezifisch den Nahen Osten in den Fokus nimmt, war der Kreis der Hauptakteure begrenzt. Friederike Selle und Franziska Rode arbeiteten viel mit den Verbündeten des Südsudans, Israel und den USA zusammen, um sicherzustellen, dass eine Resolution ein Ende der Gewalt beinhalten und den Friedensprozess voranbringen sollte. Mit anderen afrikanischen Staaten bereiteten die Südsudan-Delegierten Amendements vor, welche die Resolutionsentwürfe um den Vorschlag eines wirtschaftlichen Anreizes für die Kooperation von Israel und Palästina erweitern sollten. Da am vorletzten Tag noch immer keine Einigung auf eines der drei Arbeitspapiere im Komitee abzusehen war, versuchten Friederike und Franziska zusammen mit der deutschen Delegation und Mexiko in einem vierten Arbeitspapier Ideen der drei anderen Entwürfe zu verbinden. Letzteres konnte von vielen Delegationen mitgetragen werden. Letztendlich blieben die Verhandlungen im SPECPOL so realitätsnah, dass keine Resolution zum Thema verabschiedet wurde.

Dank der vielen engagierten Delegierten in den Komitees waren die vier Verhandlungstage für alle äußerst produktiv. In allen vier Komitees gelang es den Jenaer Delegierten, ihre Ideen in die Resolutionen oder Resolutionsentwürfe einzubringen, was als großer Erfolg bewertet werden kann, wenn man bedenkt, dass der Südsudan noch nicht einmal ein Jahr Mitglied der Vereinten Nationen ist und auch bei der WorldMUN zum ersten Mal vertreten war.

Neben der Arbeit in den Komitees waren vor allem der Ausflug nach Whistler, dem größten Skigebiet Nordamerikas, das 2010 Austragungsort der Olympischen Winterspiele war, und die emotionale Abschlusszeremonie Highlights der WorldMUN, die keiner der Delegierten so schnell vergessen wird. Mit dem Entzünden des Olympischen Feuers ging für Jörg, Christian, Alisa, Franziska, Janine, Friederike und Franziska ihr ganz persönliches „V-Project“ zu Ende, dass sie alle vor unerwartete Herausforderungen gestellt und viel Spaß gebracht hat. Die Einblicke in die Arbeit der Vereinten Nationen und die Kontakte zu vielen jungen Leuten aus der ganzen Welt haben dafür gesorgt, dass die sieben Delegierten aus Jena die Welt in Zukunft mit anderen Augen sehen.

Die WorldMUN-Konferenz war für alle eine einmalige Chance, einen tieferen Einblick in die Abläufe der internationalen Diplomatie zu erlangen und selbst zu erleben. In den fünf Konferenztagen wurden die Delegierten zu Botschaftern des Südsudan und erfuhren, was es heißt, die Themen in den Komitees aus der Sicht eines der ärmsten Länder der Welt zu betrachten. Stephen Toope, Präsident und Vize-Kanzler der University of British Columbia, zitierte in seiner Abschlussrede deshalb sehr treffend ein altes Indianersprichwort: „Erst wenn du 100 Meilen in den Schuhen eines anderen gelaufen bist, kannst du ihn verstehen.“

Die Teilnehmer der WorldMUN-Delegation 2012 Janine Dersin, Jörg Hebenstreit, Christian Jänsch, Franziska Rode, Franziska Sandt, Friederike Selle und Alisa Weinhold