Madrid WorldMUN 2019

Harvard World Model United Nations Madrid 

Bericht über die Woche vom 17.03. – 22.03.2019

(english version down below)

Das Harvard World Model United Nations ist unbestritten eine einmalige Erfahrung, so war die Woche in Madrid auch für unsere Delegation eine ganz neue, mit anderen Veranstaltungen unvergleichbare Erfahrung, bei der wir viel Neues lernen und sehen konnten. Neben den vielen Menschen, Kulturen und Meinungen, die wir erleben durften, ist uns bewusst geworden, dass es hier sehr stark darauf ankommt, welches Individuum das jeweilige Land vertritt und wie der Austragungsort und die Organisation gestaltet sind. Das bedeutete zum Beispiel, dass auch kleine Länder viel bewirken können, wenn sie dominant vertreten werden. Vor allem, da sehr darauf geachtet wurde, dass diese auch zu Wort kommen und sich beteiligen können. Jede Delegation und jeder einzelne der Delegierten hat also die Chance etwas zu bewirken, je nachdem wie Vorschläge und Meinungen von den Einzelnen präsentiert werden. Jede einzelne Stimme ist also wichtig und so haben auch wir uns während der Veranstaltung als Repräsentierende der Republik Tschad wichtig und wahrgenommen gefühlt, trotz der allgemein vorherrschenden konkurrenzschwangeren Atmosphäre.

 

Hier ein kurzer Einblick unserer Madrid-MUN:

Tag 1: Der erste Tag war zum Kennenlernen da. Nach der Eröffnungszeremonie im Palacio Municipal de Congresos, bei welcher jeder Einzelne der Teilnehmenden mit vielen motivierenden Worten angesprochen und uns Lob und Ruhm mit auf den Weg gegeben wurden – unter anderem von der Bürgermeisterin und dem König Spaniens-, ging es gegen Abend zum „Global Village“ – einer Veranstaltung, bei der einige Länder ausgewählte kulinarische Spezialitäten ihres Landes vorstellten und viel zu spanischer Musik getanzt wurde. Der Abend fand im beeindruckenden Gebäude des Palacio de Cibeles, direkt an der berühmten Gran Vía statt. Es wurde sehr deutlich welche Bemühungen und Aufwand das spanische Organisationsteam hier auf sich genommen hat, um die Hauptstadt bestmöglich zu präsentieren.

Tag 2: Am zweiten Tag ging es dann ans Eingemachte – die erste Committee-Session, bei welcher inhaltliche Debatten an erster Stelle standen.

Historical Legal Committee: Das Thema: „Legality of the bombing in Syria 2014 by the US“, stand auf der Agenda. Fuß zu fassen war für den Chad aufgrund unserer nationalen Erfahrungen mit terroristischen Organisationen, nicht schwierig. Unser Komitee bestand aus ca. 300 Personen, Länder von A-Z wurden vertreten. Schnell fanden wir Verbündete und setzten uns in der zweiten Session dieses Tages an das Verfassen eines Working Paper.

Social, Humanitarian and Cultural Committee: Unser Komitee, das dominierend aus weiblichen Delegierten bestand, auch ca. 300 Personen groß, beschäftigte sich 2019 mit den Rechten und der Humanitären bzw. Gesundheitlichen Versorgung von Frauen, vor allem in Entwicklungs-, und Schwellenländern. Nachdem alle ihre Einführungsreden gehalten hatten und schon einige Verbesserungs- und Handlungsvorschläge auf dem Tisch lagen, ging es nach der Mittagspause schon richtig in die Diskussion. Als Afrikanisches Sahelland, hatte unsere Delegation keine Schwierigkeiten sich sofort mit den anderen anwesenden Afrikanischen Staaten zusammenzutun und gemeinsame Berührungspunkte für eine Zusammenarbeit herauszufiltern. Und schon ging es an die vereinte Arbeit an den Working Papers.

Disarmament and Security Committee: In einem der größten Committees diskutierten 300 Delegierte über Maßnahmen gegen Völkermord. Deswegen hatte man von Anfang an eine Rednerliste von 150 Staaten. Um seine Eröffnungsrede überhaupt halten zu können verwendete man alle möglichen Tricks. Durch sogenannte „unmoderated caucuses“ konnte man die Redeliste umgehen. So entfachte ein „Meldekrieg“, bei jeder Frage nach Sprechbeiträgen schnellten 30 Länderschilder in die Höhe und versuchten die Aufmerksamkeit des Chairs zu erlangen. Auch wir mussten auf diese Methode zurückgreifen.

 

Tag 3: Dritter Tag, vierte Session – die Working Paper wurden eingereicht und ausgiebig diskutiert. Es gab viele „unmoderated caucuses“ bei denen angeregt außerhalb des Sitzungssaals diskutiert und sich in verbündeten Grüppchen zusammengefunden wurde.

Besonders im Komitee der World Health Organisation begann eine konstruktive Zusammenarbeit der einzelnen „Working Groups“. Während sich die meisten „Single Delegates“ einig waren, dass für eine internationale Regulierung von genetisch modifizierter Nahrung eine multilaterale Lösung gefunden werden muss, wurde vor allem die Herangehensweise diskutiert. Entwicklungsländer (zu denen auch der Tschad zählt) versuchten meist für eine Anwendung in ihren Staaten zu werben, weil sie sich bessere Bedingungen für ihre Farmer und deren Erträge erhofften. Die Delegierten der entwickelten Nationen setzten sich demgegenüber für mehr Transparenz und Informationen für den Endverbraucher ein. Allerdings sprachen auch diese sich für Maßnahmen aus, welche vielen Entwicklungsländern zugutekamen. Zwar nahm die Republik Tschad dieses Entgegenkommen positiv auf, aber sie drückte auch ihre berechtigten Zweifel aus dass internationale Hilfe auch immer eine Gefahr für die nationale Souveränität darstellt.

 

Tag 4: Am vierten Tag ging es um das Verfassen der Draft Resolutions.

Historical Legal Committee: Wir fanden viele Verbündete, mit welchen wir einiges aushandeln konnten – jedoch war eins unserer Hauptziele in keiner Resolution enthalten. Das hieß für uns: Wir unterschreiben nicht. Nach weiteren Diskussionen und Verhandlungen hatten wir schlussendlich doch noch eine Resolution, die unseren Interessen zusagte. Dann der Schock: Unsere Resolution hatte zu wenig Unterstützer – zu wenig Unterschriften und konnte nicht eingereicht werden. Nach längerem Prozess und Rücksprache mit dem Chair wurde das Committee ein weiteres Mal abgezählt und das Quorum fiel kleiner aus, wir brauchten also weniger Stimmen, um unsere Resolution einzureichen. Glück gehabt.

Social, Humanitarian and Cultural Committee: In unserer Gruppe der Afrikanischen Länder Repräsentationen waren wir sehr gut aufgehoben. In den Draft Resolutions waren unsere Meinungen und Vorschläge in gemeinsamer Absprache uns Zustimmung gut vertreten und wir beim Vorbringen unserer Resolution sehr zufrieden.

Disarmament and Security Committee: Parallel zu unserer Beteiligung an mehreren Draft Resolutions waren wir auch Teil einer kleinen Gruppe von Staaten. Jene Staaten, welche irgendwelche Verletzungen von staatlicher Souveränität vehement entgegenstanden, indem man die einzelnen Draft Resolutions beeinflussen wollten. So manche Draft Resolution konnte so unseren Interessen nach verändert werden. Und letztlich konnten wir durch genug Druck auf den Chair auch einen abschließenden Redebeitrag geben, um so uns ganz klar zu den einzelnen Draft Resolutions zu positionieren.

 

Tag 5: Der fünfte Tag war dazu da, Amendments einzureichen und somit an den Resolutionen zu feilen. Alle Komitees schienen sehr kooperativ, da die lange Woche in den Knochen steckte und wir alle ein gutes, professionelles und wahrheitsgetreues Ergebnis erzielen wollten. Allerdings wurde auch immer deutlicher, welcher Zusammenschluss unter den Delegationen sich am lebhaftesten hervorgetan hatte und so auch im Verlauf und vor allem zum Schluss die meiste Unterstützung des Chairs erhielt. Nach hitzigen Diskussionen kam also am Ende die Einigung um des Ergebnisses Willen, sodass die Woche und die ganze Arbeit, die in die Simulation gesteckt wurde auch einen Sinn bereitstellen konnte.

 

Am Ende stand die Abschluss-Zeremonie, die von talentierten Sängern*innen und Tänzern*innen eingeleitet, schließlich von den Preisverleihungen gekrönt wurde. Bis zu “bestgekleidste Delegierte“ und „bester Tänzer“ war alles vertreten.

Respekt an die Studierenden von Harvard, welche diese Veranstaltung zusammen mit den Studierenden des jeweiligen ausgewählten Austragungsortes, immer wieder organisiert. Zwar ging es mitunter auch chaotisch zu, jedoch wurde dieses Jahr, so wie wir – unsere Delegation aus Jena – das erlebt haben, vieles verbessert gehandhabt. Beispielsweise hat Harvard stark darauf geachtet, dass umweltfreundlich agiert wurde. So bekam jeder der fast 3000 Delegierten einen Baumwoll-Jutebeutel und recycelte Blocks, sowie Notizbücher. Sogar eine gläserne Trinkflasche und ein 16 GB-USB Stick waren dabei.

Inspirierend waren zum Schluss vor allem auch die Reden der Gewinner der MUNs vergangener Jahre, da sie von ihren weiteren Erfahrungen mit der World MUN berichteten. Hierbei wurde ersichtlich, dass die MUN für viel mehr steht als „nur“ eine simulierte UN-Verhandlung, sondern auch für reale humanitäre Projekte einsteht und Engagement fördert. Es wird klar, dass die World MUN genügend weitere Möglichkeiten und Chancen bietet, sich auch außerhalb der Haupt-MUNs ganz persönlichen, individuellen Verbesserungs-Projekten in der eigenen Umgebung zu widmen, sich daran zu beteiligen und dafür Unterstützung von den Mitgliedern und Gründern dieser gemeinnützigen Organisation bekommen zu können.

 

 

 

 

 

ENGLISCH

 

Harvard World Model United Nations Madrid – Report on the week of 03/17 – 03/22/2019

 

The Harvard World Model United Nations is undoubtedly a unique experience, so the week in Madrid was also a very new experience for our delegation. We have learned and saw a lot of new things. In addition to the many people, cultures and opinions that we were able to experience, we have become aware that it depends very much on which individual represents the respective country and how the venue and the organization are designed. This meant, for example, that even small countries can do a lot if they are represented dominantly. Above all, since it was very important to ensure that they also have their say and can participate. So, every delegation and every one of the delegates has a chance to make a difference, as suggestions and opinions are presented by individuals. Every single vote is important, and so we felt important and perceived as representatives of the Republic of Chad during the event, despite the prevailing competitive atmosphere.

Here’s a quick look at our Madrid MUN:

Day 1: The first day was there to get to know each other. After the opening ceremony in the Palacio Municipal de Congresos, in which each one of the participants was addressed with many motivating words and praise and glory along the way – including the Mayor of Madrid and the King of Spain – we went to „Global Village „- an event where some countries presented selected culinary specialties of their country and we have danced much to spanish music. The evening took place in the impressive building of the Palacio de Cibeles, right on the famous Gran Vía. It became very clear which efforts the spanish organization team took on here to present the capital as best as possible.

Day 2: On the second day there was the first committee session, in which content-related debates were in the first place.

Historical Legal Committee: The topic: „Legality of the bombing in Syria 2014 by the US“ was on the agenda. It was not difficult for the Chad to gain a foothold due to our national experience with terroristic organizations. Our committee consisted of about 300 people; countries of A-Z were represented. Quickly we found allies and sat in the second session of this day to write a working paper.

Social, Humanitarian and Cultural Committee: Our committee, which consisted predominantly of female delegates, also about 300 people tall, dealt in 2019 with the rights and humanitarian on health care of women, especially in developing and emerging countries. After all of the delegates had given their introductory speeches and already had some suggestions for improvement and action on the table, it was after the lunch break already properly in the discussion. As an African Sahel country, our delegation had no difficulty in getting together immediately with the other African countries present and identifying common points of contact for cooperation. And then it was time for the combined work on the Working Papers.

Disarmament and Security Committee: In one of the largest committees 300 delegates discussed measures against genocide. That’s why you had from the beginning a list of speakers from 150 states. To be able to hold his opening speech you used all sorts of tricks. By so-called „unmoderated caucuses“ one could bypass the speech list. Thus a „reporting war“ kindled, with every question about speech contributions, 30 country signs shot up and tried to get the attention of the chair. We too had to resort to this method.

 

Day 3: Third day, fourth session – the working papers were submitted and discussed extensively. There were many „unmoderated caucuses“ in which you had the chance to discuss everything excitedly outside the meeting room and get in allied groups.

Especially in the committee of the World Health Organization, a constructive cooperation of the individual working groups began. While most „single delegates“ agreed that a multilateral solution had to be found for international regulation of genetically modified food, the main focus was on the approach. Developing countries (including Chad) have mostly sought to promote their use in their states because they hoped for better conditions for their farmers and their yields. In contrast, the delegates of the developed nations advocated more transparency and information for the end user. However, these also supported measures that benefited many developing countries. Although the Republic of Chad accepted this condolence positively, it also expressed its legitimate doubts that international aid is always a threat to national sovereignty.

 

Day 4: The fourth day was about drafting draft resolutions.

Historical Legal Committee: We found many allies with whom we could negotiate a lot, but one of our main goals was not included in any resolution. That meant for us: We do not sign. After further discussions and negotiations, we finally had a resolution that appealed to our interests. Then the shock: Our resolution had too few supporters – too few signatures and could not be submitted. After a long process and consultation with the Chair, the committee was counted once more and the quorum was smaller, so we needed fewer votes to file our resolution. Lucky.

Social, Humanitarian and Cultural Committee: In our group of African Representations we were in very good hands. In the Draft Resolutions, our opinions and suggestions were well represented in agreement and approval, and we were very satisfied with the presentation of our resolution.

Disarmament and Security Committee: In parallel with our involvement in several draft resolutions, we were also part of a small group of states. Those states that vehemently opposed any violations of state sovereignty by influencing the individual draft resolutions. So many draft resolutions could be changed according to our interests. And finally, by putting enough pressure on the chair, we were also able to give a concluding speech, in order to clearly position ourselves for the individual draft resolutions.

Day 5: The fifth day was to submit amendments and thus to file the resolutions. All the committees seemed very cooperative, as the long week was in the bones and we all wanted to get a good, professional and truthful result. However, it became clearer and clearer which association among the delegations had been the most liveliest and thus received the most support from the chair in the course and, above all, at the end. After heated discussions, the agreement was finally reached on the outcome, so that the week and all the work that was put into the simulation could also make sense.

The final ceremony, which was initiated by talented singers and dancers, culminated in the award ceremony. Everything was represented, including „best-dressed delegates“ and „best dancers“.

Respect for the students of Harvard, who organize this event together with the students of the selected venue. Although it was sometimes chaotic, but this year, as we – our delegation from Jena – have experienced, much improved handling. For example, Harvard has paid great attention to being environmentally friendly. So each of the nearly 3,000 delegates got a cotton jute bag and recycled blocks, as well as notebooks. Even a glass bottle and a 16 GB USB stick were there.

In the end, the speeches of the winners of the MUNs of the past years were especially inspiring as they reported on their further experiences with the World MUN. It became clear that the MUN stands for much more than „just“ a simulated UN negotiation, but also stands for real humanitarian projects and promotes engagement. It becomes clear that the World MUN offers enough opportunities and opportunities to devote itself to, participate in, and get support from the members and founders of this non-profit organization outside the main MUNs Get organization.